Gesundheitstage Paderborn

CMD – Craniomandibuläre Dysfunktion

Die Craniomandibuläre Dysfunktion, die mit unspezifischen Symptomen wie Kopfschmerzen, Otalgie, Tinnitus, pseudopulpitischen Beschwerden, Bewegungseinschränkungen, Dysfunktionen der Kiefergelenke, Triggerschmerzen der Muskulatur des stomatognathen Systems in fremde Regionen bis hin zu massiver psychischer Alteration geprägt wird, erfährt in unserer Gesellschaft eine zunehmende Bedeutung. Die Therapie ist ebenso komplex wie die Pathogenese und kann nur interdisziplinär erfolgen.

 

Neben der exakten Befundung des stomatognathen Systems ist auch die anatomisch- statische und dynamische Betrachtung des Körpers erforderlich. Insbesondere wird es bei der Behandlung von CMD-Patienten in Zukunft auch auf die Diagnose von Somatisierungen psychischer Begleiterkrankungen ankommen, um weitere Schäden zu vermeiden. Aus dem ursprünglichen "Costen-Syndrom" der 30er Jahre ist mittlerweile ein hochkompliziertes Krankheitsbild geworden, bei dem die neuesten wissenschaftlichen und praktischen Erkenntnisse aus Diagnostik und Therapie verantwortungsvoll eingesetzt werden müssen.

 

Vier bis acht Millionen Betroffene

Prof. Dr. Wolfgang Freesmeyer, Lehrstuhlinhaber für "zahnärztliche Prothetik" der Klinik und Poliklinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Freien Universität, Berlin, und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -Therapie (DGFDT) in der DGZMK (vorm. AFDT): "CMD in Deutschland hat eine Morbidität von ca. vier bis acht Millionen Betroffenen und rangiert damit knapp hinter den Volkskrankheiten Karies und Parodontopathie. (Stressbedingte) Myopathien machen mit fast 90% aller Fälle den Hauptteil der Erkrankungen aus, lediglich 10% sind artikulär bedingt."

 

Die häufigsten dentalen Auslöser einer CMD sind neben Abrasionen auch nicht kompensierte Zahnverluste (insbes. Molaren) mit Wanderungen und Kippungen der Nachbarzähne als auch fehlerhafte prothetische Versorgungen. Je unklarer und komplizierter ein Fall ist, umso ausführlicher muss die Dokumentation sein und umso zurückhaltender dürfen irreversible Maßnahmen eingesetzt werden. Bezüglich der Zusammenhänge von Dysfunktionen und orthopädischen Problemen wie Beckenschiefstand oder Knieschmerzen gibt es noch keine eindeutigen evidenzbasierten Korrelationen, wohingegen der Zusammenhang zu Affektionen der Halswirbelsäule weitestgehend klar ist. MRT oder DVT Aufnahmen sind dann anzuwenden, wenn die klinische Analyse keine eindeutigen Befunde ergibt.

 

CMD und Tinnitus

Bei Studien beispielsweise über die Zusammenhänge zwischen Tinnitus und CMD wurde deutlich, dass ein Tinnitus mit regelmäßiger Häufigkeit aufgrund neuromuskulärer und neurophysiologischer Verschaltungsphänome bei Dysfunktionen auftritt. Heilungschancen bestehen insbesondere dann, wenn das Auftreten des Tinnitus frühzeitig therapiert wird und wenn möglichst schnell nach dessen Auftreten eine Äquilibrierungs oder Repositionierungsschiene nach elektronischer Gelenkanalyse eingesetzt wird. Dr. Gerd Christiansen aus Ingolstadt gilt als ausgewiesener Experte auf dem Gebiet CMD und Tinnitus. In seinen Vorträgen zeigt er an einem schwierigen Fall mit transversaler Kondylenverlagerung, dass manchmal nur mit Hilfe einer exakten gelenkelektronischen Analyse eine suffiziente Repositionierung der Gelenke erfolgen kann. Er betont allerdings, dass die Gelenkelektronik kein "Allheilmittel" sei, sondern nur ein zusätzlicher Baustein, der auf der klinischen Funktionsanalyse aufbaue.